Experimente
Lernprozesse im Umgang mit neuen Medien begannen 1984 nach dem Erwerb eines PC und der intensiven Beschäftigung mit der Auswirkung des Computers auf die kulturelle Umwelt.
Das Internet war zu dieser Zeit eher nur als Gerücht vorhanden, was sich jedoch in den nächsten Jahren schnell änderte. Das setzte das Bedürfnis frei, dieses Medium – und nicht nur passiv – kennenzulernen. Der erste aktive Zugang zum Netz geschah 1991 mit einem NeXT-Computer und in voller Unkenntnis des frisch auf just einem solchen im CERN entwickelten Konzept des World Wide Web.
Die Rufe ins weltweite Netz hinein verschlangen viel Geld und blieben weitestgehend unerhört. Erst zur Buchmesse 1995 gab es mit der Gründung des Kultur-Containers elektromagazin den nächsten größeren Schritt. Ihm folgten sehr schnell Konzepte für kommerzielle Anwendungen und Websites von Rundfunkanstalten.
Ähnlich experimentell war die Beschäftigung mit Internet-Kunst und Netz-Literatur. Neues Medium – neue Kunstformen: oder etwa nicht? Die 1996 bis 1998 von traditionellen Medien geförderten Netzliteratur-Wettbewerbe boten einen Anlass zur frühen Reflexion solchen Kunstformen, die allerdings bis heute nicht ihr Haupt erhoben haben.
Eine andere mediale Innovation, das eBook, veranlasste das Unternehmen Microsoft in den Jahren 2000 und 2001 zur Ausrichtung eines internationalen Wettbewerbs für spezielle eBook-Inhalte. Zweimal wurde in der Frankfurter Alten Oper in einer Zeremonie, die ein komplettes Imitat der Oscar-Verleihung war, eine Preissumme von weit mehr als 100.000 Dollar verteilt. Die Beschenkten hatten größtenteils noch nie ein eBook gesehen, und ihre Texte hatten auch fast nichts eBook-spezifisches. Es war aber schön, mitjurieren und -spekulieren zu können. Was inzwischen unter der Bezeichnung eBook gestartet ist, ist erheblich weniger ambitioniert. Schade.
Prof. Dr. Stefan Ludwigs
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